Die Wetterprognose ist nicht optimal: Regen ab 12 Uhr. Also mache ich mich um 9 Uhr auf den Weg. Starker Wind, leider nicht im Rücken! Unterwegs ein Fuchs, der auf der Strasse vor mir gemütlich läuft. iPhone bereits in der Hand, die Aunahme ist schon fast sicher, nimmt er mich wahr und verschwindet im Wald. Etwas später, vier Störche im "Formationsflug" über mir. Nebst einer Burg des Deutschen Ordens aus dem 13. Jh. sind das die beiden Highlights der kurzen Fahrt nach Kuldiga.
2 km vor dem Dorf, schwere Tropfen und kurz darauf heftiger Regen. Blitzartig ziehe ich den Plastik über den Rucksack mit der Kamera.
Auf dem Dorfplatz flüchte ich in eine trendige Kaffeebar. Ein Quittengetränk und ein Gipfel mit Käse und Schonken entschädigen mich für die Nässe.
Im Hotel Metropole, das ebenfalls am Platz liegt, finde ich ein passendes Zimmer.
Die Sightseeingtour kann beginnen. Hauptattraktion dieser 12'000 Seelen Stadt ist der breiteste Wasserfall (240 m breit). Mit einer Höhe von 4.5m ist er zugleich der Höchste des Landes!
Der Grossteil der Häuser der Altstadt wurde vermutlich vor 100 Jahren gebaut und ist renovationsbedürftig. Wie mir die Dame des Tourismusbüros erklärt, sollen sie sanft renoviert werden, nicht damit sie aussehen wie aus "Plastik". Die Touristenzahlen entwickeln sich erfreulich, durfte ich vernehmen.
Heute lasse ich mir meinen mittlerweile Drei-Wochen Bart stutzen. Beim Eintreten sagt mir der Kunde, dem gerade die Haare geschnitten werden, dass heute geschlossen sei. Ich wolle ja nur meinen Bart stutzen lassen, erwidere ich. Das Gespräch ist eröffnet. Der Kunde ist EU Gegner. 2004 mussten zahlreiche Fabriken schliessen, von der EU so befohlen. Tausende hätten ihren Job verloren. So durfte kein Zucker mehr produziert und keine Fische mehr gefangen werden. Alles neu für mich, da ich lediglich die zahlreichen Tafeln mit Angaben über Projekte, die durch die EU finanziert werden kenne.
Später spreche ich den Chef des Tourismusbüros darauf an. Er bestätigt die Einschränkung betreffend die Zuckerproduktion und eine Quotenregelung für den Fischfang. Ihm ist jedoch nicht bekannt, dass weitere Industriezweige betroffen waren. Nicht alle mögen die EU. Auch hier nicht!
Im Restaurant erkundige ich mich was unter "Mountain oysters" zu verstehen sei. Das Fräulein lächelt verschmitzt; es seien "Bull balls". Ich entscheide mich dann für "Bull cheeks". Sie werden mit Stock und Randen serviert und sind köstlich.
Die Bevölkerung macht mir einen weniger wohlhabenden Eindruck als in Liepaja. Im Restaurant jedoch verkehren Paare und Familien, gut angezogen und man merkt es am Verhalten, nicht zuletzt der Kinder, dass sie es gewohnt sind hier Gast zu sein.
Und abschliessend noch die späten Tulpen!














das sieht ja wiedermal mega gut aus - das Gipfeli - und auch der kulinarische Bericht...
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