Sonntag, 11. Juni 2017

Dunte- Ainazi

Juni oder doch Oktober? Der Blick von meinem kleinen Balkon verunsichert mich: Nebel! Eigentlich sollte es mich nicht überraschen, erlebten wir dich anlässlich der Kreuzfahrt "Baltic sea" dasselbe. Der Kapitän musste damals mitten in der Nacht in der viel befahrenen See immer wieder das Nebelhorn betätigen. Das bleibt in Erinnerung. 
Ich lerne die Hoteliere/Wirtin von "Meke" kennen. Eine kräftig gebaute Lettin, Mitte 50. Nachdem sie mit Ihrem Mann vor 7 Jahren das Restaurant eröffnet hat, kauften die Beiden 2015 die alte Schule von Dunte und haben ein Bijou daraus gemacht. 



Obwohl es bedeutend weniger Verkehr als noch gestern hat, Lastwagen fahren auch Sonntags, bin ich heute nicht sehr motiviert auf dem "Race Track". Nach der Hälfte der Strecke - heute ist Sonntagsfahrt nur 50 km -, mache ich Pause und zwei Deutsche gesellen sich zu mir. (Typ Cabaret Rotstift). Ich bin froh, sie nach der Pause wieder hinter mir lassen zu können.


Schon bald bin ich beim Hotel. Wiederum ein schöner Ort, den man, wie Meke, eigentlich hier nicht erwartet. Das Restaurant, noch immer in der Pampa, voll! 
Nun beginnt die Sight Seeing Tour durch dieses 800 Seelendorf. Im Seefahrer Museum erfahre ich mehr. Mitte 19. Jh. wurde hier eine Seefahrerschule gegründet. Es stellte eine Alternative für die landlose Bauernschaft dar. Angeblich gehörte der gesamte Boden den deutschen Gutsbesitzern. Die Schule war ein Erfolg. Ende des Jahrhunderts waren Letten in 18 Häfen weltweit, etliche in Südamerika, als Piloten tätig und verhalfen den Letten zu Bekanntheit. Piloten sind die Spezialisten genannt, die grosse Schiffe sicher in die Häfen bringen. Auch Schiffe wurden hier gebaut.



Auf meine Standardfrage, was sich seit der Unabhängigkeit geändert hat, resp. was zuvor besser war, nannte mir die Verwalterin zwei Punkte: erstens der Zusammenhalt. Vermutlich durch den äusseren sowjetischen Druck. Als Zweites erwähnte sie die Nahrungsmittel, die früher besser waren. Sie meinte die Qualität des Fleisches und der Butter. Zwar wäre nie alles erhältlich gewesen, obwohl man Geld gehabt hätte. Dies deckt sich mit der Aussage des Herrn in Finow. Das Problem der Letten, und auch der Litauer, ist die Abwanderung der Jungen. Die Verwalterin erzählte von ihrer Tochter, die einen Briten geheiratet hat und mit ihrem Enkel in England lebt.
Ausser einem sehr schönen Haus und einer orthodoxen Kirche aus dem 19. Jahrhundert bietet Ainazi nicht gerade viel. Da Ainazi direkt an der Grenze zu Estland liegt kann ich es nicht verkneifen kurz nach "Eesti" zu fahren.


Ich sitze im Restaurant der Hotels und habe hervorragend gegessen. Im Hintergrund singt Diana Krall, das Lokal hat nur noch wenige Gäste. Ich fühle mich sauwohl. Für morgen ist Regen gemeldet😩.






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